Vorwort
Jedes deutsche Wörterbuch liefert uns einen Begriff für das
Versehen einer Zeichnung mit Maßangaben ("bemaßen"),
nicht aber für das mindestens ebenso häufig auftretende
Zerbröseln einer Brotscheibe beim Bestreichen mit harter
Butter. Und warum können wir einen Verbindungsansatz
an Rohren oder Maschinenteilen mit einem einzigen Wort
bezeichnen ("Flansch"), die Aussparung im Deckel einer
Zuckerdose, durch welche der Löffel herausragt, dagegen
nicht?
Angesichts dieser und anderer Defizite der Sprache erhebt
sich die Frage, wem die Verantwortung zugemutet werden
kann, die fehlenden Wörter zu erfinden. Die Antwort ist
überraschend einfach: Erfinden ist überhaupt nicht
nötig. Hinter der irreführenden Bezeichnung "Postleitzahlen
– ABC-Folge" verbirgt sich eine umfangreiche Sammlung von
unbenutzten Wörtern jeglicher Gattung (vom Verb
aachen bis zum Adjektiv zyfflich); hier kann
der aufmerksam Suchende entdecken, daß es sich bei der oben
erwähnten Zerstörung einer Brotscheibe zweifelsfrei um
kleinbrösern handelt, und daß der Zuckerdosendeckel einen
Löffelsterz hat.
Jahrzehntelang war dieses Standardwerk für DM 2,50 in jedem
guten Postamt erhältlich, es wies allerdings eine
unpraktische Zweiteilung auf, welche die Wortsuche
teilweise erschwerte. Im Jahre 1993 kam endlich eine
einteilige Neuausgabe heraus: "Das Postleitzahlenbuch", so
der nicht minder irreführende neue Titel, stieß in der
Öffentlichkeit jedoch auf geteilte Meinungen. Nicht so in
unserer Redaktion: Besonders die Entscheidung, es kostenlos
an alle Haushalte zu verteilen, verdient ungeteiltes Lob –
versetzt sie doch weite Teile der Bevölkerung in die Lage,
aktiv an der Weiterentwicklung des notorisch
unvollständigen Fehlwörterbuchs teilzunehmen. Verlag und
Redaktion sehen Ergänzungsvorschlägen für zukünftige
Auflagen erwartungsfroh entgegen.
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